Kulturgefängnis

Kulturjournalismus – jung gemacht.

ai ai ai musica

Moon and Stars mit Rea Garvey und Amy McDonald.

20 Uhr
Auf der eigens für das Festival gebauten Bühne startet ein Countdown.
“Ai Ai Ai Musica – Ai Ai Ai bella Musica” erklingt das Intro des nationalen Fernsehsenders aus den großen Boxen der Holzbühne.
Ein schwarzer Vorhang wird hochgezogen, Musik beginnt zu spielen, alle sind gespannt und plötzlich geht alles ganz schnell: Der Vorhang fällt, Rea Garvey in schwarzem Outfit mit Glitzerstreifen steht auf der Bühne und singt seinen ersten Song.
Im Publikum sind es 30 Grad – auf der Bühne wohl noch mehr: “Es kann sein, dass wir am Ende des Sets alle nackt sind“, sagt Rea, gefolgt von “Ich habe Marathons gemacht, die einfacher waren, als die ersten drei Songs hier”. Trotzdem merkt man ihm und dem Publikum an, wie viel Spaß sie haben. Es wird getanzt, gesungen und ganz viel gelacht.

Rea Garvey erzählt, wie sein Tag in Locarno bis jetzt ablief und erklärt den Einheimischen dabei, wie neidisch er doch auf dieses Leben sei und dass er sich als “Inselmensch” sehr wohl fühle. Ihn erinnere das sonnige und warme Leben hier sehr stark an seine Heimat in Irland. Das Eis ist gebrochen, die Zuschauer*innen amüsieren sich.

Die Zeit vergeht wie im Flug und nach einigen Rea Garvey-, aber auch Reamonn- (der ehemaligen Band in der Rea bis zur Auflösung 2010 Frontsänger war) Songs griff er zur Gitarre und spielte das Lied, dass er bei seinem allerersten Live-Auftritt überhaupt performte. “Down By The Water” von Amy McDonald. Er fühle sich sehr geehrt, direkt vor ihr spielen zu dürfen und brachte die Stimmung dafür auf ein ganz hohes Niveau.

Mit Konfetti und dem wohl bekanntesten Reamonn-Song “Supergirl” verabschiedete er sich und machte die Bühne frei für Amy McDonald.

Es ist 21:30 Uhr und da ist er wieder: Der Countdown.

Die Fernsehteams richten ihre Kameras auf die Bühne und das Publikum stellt sich wieder gespannt davor. Amy McDonald und ihre Band betreten die Bühne und spielen ihren ersten Song – warte mal, den hatten wir doch heute schon?

“Down By The Water“, diesmal von der Interpretin höchstpersönlich, erklingt auf der Piazza Grande zwischen den Cafés, Restaurants und Balkonen, auf denen sich die Bewohner*innen tummeln, um die Konzerte kostenlos zu genießen. Ein Ticket für die Piazza Grande kostet immerhin 118 Schweizer Franken – ein stolzer Preis für den man aber auch ein Festival bekommt, dass detailreicher nicht sein könnte. Von den Werbebannern, über die kostenlosen Sonnenhüte, die Hauptsponsor Swisscom verteilt, bis zu den Mülleimern ist alles einheitlich und im typischen „Moon & Stars“-Farbschema gehalten. Trotzdem bleibt eins klar: Das ist ein Festival für die Reichen und Schönen und nicht für das normale Volk.

Im Gegensatz zu ihrem Vorgänger spricht Amy McDonald kein Deutsch und macht Schottisch glatt zur vierten Amtssprache der Schweiz. Mit starkem Akzent und noch stärkerer Stimme bringt sie die Stimmung des Publikums auf ein neues Level und nutzt die Chance, um ihr neues Album zu bewerben. Die Leute könnten ihr Album zum Beispiel als Geburtstagsgeschenk für Ihre erste Single kaufen, diese wird an diesem Tag nämlich 18 Jahre alt. Als sie den Song damals geschrieben hat, hätte sie nicht gedacht, dass sie “heute in Locarno steht mit tausenden Menschen, die [ihr] Album nicht gekauft haben” witzelt sie.

Gegen 23 Uhr ist der Abend auf der Piazza Grande vorbei, aber auf den Nebenbühnen und dem Straßenfest fängt die Nacht gerade erst an.

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