Kulturgefängnis

Kulturjournalismus – jung gemacht.

ich war gestern in köln

köln hier dings, ich war gestern in köln. das schauspiel köln wurde renoviert. oder repariert? also auf jeden fall verbessert! ne, so kann man das auch nicht sagen. also das schauspiel köln ist jetzt wieder in der innenstadt. am offenbachplatz. also da ist auch die oper. die ist auch mega groß geworden. aber da war mir die schlange zu lang. die leute haben sehr lange gewartet. also auf die oper. also, ich meine gestern. aber auch so. also eigentlich sollte die ja

2015 aufmachen. das hat nicht geklappt. jetzt ist es später.

11 jahre später. naja. ich mochte die interimsspielstätten. das depot hatte so viel charakter. fast wie theater der freien szene. tolle entscheidung, dass das depot jetzt in die hände der freien szene gegeben wird. also, dass man da auch tanz und schauspiel rein tut macht das zu einem tollen kulturstandort. da wird viel schönes passieren. man kann dan den ort so total neu beleben. gerade in der gentrifizierung der randstadtteile ist das ein schöner antilkapitalistischer gegenpol. danke köln! auf dich ist verlass 🙂

oh eine info. das depot 1 wurde anfang des jahres an einen musicalanbieter vermietet. hmm. egal, depot 2 ist voll offen und frei für die volle ladung progressiver und antikapitalistischer kultur.

oh, eine info. das depot 2 hat sich ein milliadär wohl auch gekrallt. mehr platz für kommerz musicals. mehr geld. als ausgleich schenkt er der freien szene 15 spieltermine und 10 millionen euro. also auf das median vermögen der deutschen runtergerechnet knapp

300 euro. danke frank. egal. darüber wurde am offenbachplatz nicht geredet. aber es gab eine mini demo. 3 menschen demonstrierten mitten auf dem offenbachplatz mit schildern gegen die kostenexplosion. ich versteh gar nicht warum. die kosten sollten vor baubeginn doch nur

253 millionen euro kosten. das ist doch nicht so viel. außerdem wollten die kölner*innen eben, dass man das schauspielhaus erhält. und klar mit

11 jahren verspätung wirds halt ein bisschen teurer. und dann noch ein bisschen. und noch ein kleines bisschen. und wenn man dann noch die kosten der ausweichspielstätten mit berücksichtigt. und die der finanzierung. denn geld ausgeben kostet ja geld. dann ist man halt bei ein paar

millionen mehr. oder halt

1,25 milliarden. also insgesamt

1,5 milliarden. das ist ganz schön viel. aber das war ja auch das erste große bauprojekt deutschlands. da wurde halt etwas falsch kalkuliert. das ist doof. erstaunlich doof. tatsächlich geht das gar nicht. aber jetzt ist es geschehen. was will man tun? was muss man jetzt tun? die verantwortung einer spielstätte dieser größe schätzen. und nutzen. theater für alle. oper für alle. kunst für alle. und vielleicht nicht probieren das geld durch irgendwelche kommerzkunstmilliardäre wieder reinzuholen und dafür der sonstigen kulturellen szene kölns die chance zu nehmen zu beweisen, dass köln mehr kann als nur dom, oper und kölsch.

fynn gregorius

foto: kay voges

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